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Die Elbchaussee Die Elbchaussee ist die fast eine Meile lange Straße, die sich von Altona stromabwärts über Höhen und eingebettete Auen bis nach Blankenese hinzieht. Die Elbe, sobald sie Hamburgs Häfen hinter sich läßt, öffnet sich unterhalb Finkenwerders breiter und breiter. Auf ihrem linken Ufer dehnt sich die flache Marsch, auf ihrem rechten aber erhebt sich die Landschaft hügelig und waldig. Hier, mit dem Blick über den Strom und seine Schiffe, stand eine Fülle bedeutsamer Villen und Herrenhäuser, eingegliedert in weite, prächtige Parks. Die Straße, an der diese Besitzungen lagen oder noch heute liegen, hieß früher in ihrer östlichen Hälfte von Altona bis Othmarschen „Flottbeker Chaussee“, die westliche Hälfte von Flottbek bis Blankenese „Elbchaussee“. Aber landschaftlich wie verkehrsmäßig bildeten beide Teile eine Einheit. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Umbenennung zur einheitlichen Elbchaussee vollzogen. Ursprünglich ist sie ein holpriger, sandiger Fahrweg gewesen. Die Anwohner haben sie im Laufe der Jahrzehnte ausbessern und zu dem ausbauen lassen, was sie geworden ist. Noch bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde sie als „Privatweg“ unterhalten.
(Textauszug: Die Elbchaussee: ihre Landsitze, Menschen und Skandale, Paul Th. Hoffmann, Broschek Verlag, Hamburg 1977, ISBN 3-7672-0496-7. Abbildung: “Roosenhaus”, erbaut ca. 1825.)
Sommerfrische an der Elbe Im Zuge der wachsenden Infrastruktur gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte die breitere Bevölkerung der Großstadt Hamburg die Elbvororte und damit auch Nienstedten als Ausflugsziel und Sommerfrische - man kann sagen: Der Tourismus begann. Eisenbahn, Straßenbahn und Fahrgastschiffe (es gab damals weitere Schiffsanleger unterhalb Nienstedten und bei der Elbschlossbrauerei) beförderten an den Wochenenden große Scharen von Tagesausflüglern, die sich erholen wollten und der Gastronomie u. a. im Nienstedtener Ortskern zu großer Blüte verhalfen. Für Lokale wie den Ausschank der Elbschlossbrauerei und manche Betriebe in Teufelsbrück bedeutete dies überhaupt erst die Geschäftsgrundlage. In den Sälen gab es regelmäßig große Musik- und Tanzveranstaltungen, man würde heute von einer „Event-Szene“ sprechen. Doch auch richtige „Urlauber“ gab es. Und diese Übernachtungsgäste logierten oftmals in Privatunterkünften, die dadurch entstanden, dass die eigentlichen Bewohner sommers die Kellerräume bezogen und ihre Wohnräume vermieteten. Es entwickelte sich ein munteres Strandleben den gesamten Elbstrand entlang, zumal in der Nienstedtener Strandbadeanstalt als besonderem Anziehungspunkt. In Zeiten des aufkommenden Individualverkehrs nach 1900 wurde die Elbchaussee am Wochenende sogar für den Fahrzeugverkehr gesperrt, sie diente dann als Promenade. Man denke daran, dass auf der anderen Elbseite sich noch keine Industrie angesiedelt hatte, der Blick bis zu den Harburger Bergen also auf Landschaft und Obstbau fiel. Das änderte sich erst 1918 mit der Ansiedlung der großen Werftanlage auf Finkenwerder.
Längst ist der Tourismus weiter gezogen, sei es vorübergehend in das Weserbergland oder mittlerweile nach Mallorca und Hispaniola. Spaziergänger genießen nach wie vor die Elbe, heute um die schönen zwischenzeitlich öffentlich gewordenen Parkanlagen ergänzt. Und die Busse der Stadtrundfahrt bieten internationalen Besuchern einen schnellen Blick - so schließt sich ein kleiner Kreis . . . Die Faszination der Elbchaussee ließ in den letzten Jahren durch so manche Bausünde leider etwas nach, weshalb des Engagement etlicher denkmalschutzgerechter Gebäuderenovierungen anerkennend hervorzuheben ist. Als Neuestes muss jetzt die Umgestaltung des Platzes Teufelsbrück verdaut werden. Da gehen die Geschmäcker wieder einmal sehr auseinander. Steht nur zu hoffen, dass es nicht Europas teuerster Mopedparkplatz wird. (onl. 01/2009)
Hotel Louis C. Jacob Mehr als 200 Jahre Gastlichkeit und viele gastronomische Meilensteine stecken im Hotel Louis C. Jacob. 1780 erbt der Zuckerbäcker Nikolaus Paridom Burmester das Haus 401 an der Elbchaussee und beginnt damit, naschhafte Kunden mit wohlschmeckendem Backwerk zu versorgen. Nur zehn Jahre später wird dem leidenschaftlichen Zuckerbäcker seine Liebe zur Seefahrt zum Verhängnis: Die eigens für die Begrüßung vorbeiziehender Schiffe gebaute Böllerkanone kostet ihn bei einem tragischen Unfall das Leben.
Die Familie Jacob arbeitet unermüdlich und mit viel Herzblut am Aufbau ihres Weinrestaurants und kann der jeweils nächsten Generation über viele Jahrzehnte hinweg ein fundiertes, gut laufendes Geschäft übergeben - trotz finanzieller Durststrecken in den Anfangsjahren. Die Nachkommen profitieren dabei nicht zuletzt von den Leistungen ihres Firmengründers. So wird die Lindenterrasse als gärtnerisches Gesamtkunstwerk schon bald zum Markenzeichen des Hauses, das Ende des 19. Jahrhunderts schließlich auch zum Hotel avanciert. Der Betrieb bleibt im Besitz der Familie Jacob, doch mit dem Tod von Louis Heinrich Jacob 1922 endet die Ära eines „leibhaftigen“ Jacob in der Geschäftsführung. 1925 widerlegen die neuen Pächter alle Gerüchte, dass aus dem „Jacob“ womöglich ein Massenlokal werden würde und gründen stattdessen die Louis Jacob GmbH in Nienstedten. Die gastronomische Legende am Elbufer lebt weiter, wächst und gedeiht: In den 1950er-Jahren tragen sich Weltstars wie Maria Callas, Zarah Leander und Hans Albers in das Gästebuch des Traditionshauses ein. Doch in den 1970er Jahren sind die Glanzzeiten langsam vorüber, und diverse Eigentümerwechsel fordern ihren Tribut. Die „gute alte Zeit“ endet schließlich mit der berüchtigten Versteigerung des Restaurantinventars - der Totalausverkauf trifft das „Jacob“ mitten ins Herz. Nach turbulenten Wechseln trifft 1993 die neue Eignerfamilie Rahe eine gewichtige Entscheidung und übernimmt die schwierige, langwierige Aufgabe, das „alte Jacob“ in ein modernes Luxushotel zu verwandeln und an die große kulinarische Vergangenheit anzuknüpfen. Im Laufe von nur drei Jahren entsteht aus Hamburgs „guter Stube“ ein Gebäudekomplex, den Denkmalschützer loben und dessen gelungene Anpassung an die Moderne Architekten bewundern. Mit dem neuen Konzept werden nicht nur das Haupthaus am Elbhang sondern auch mehrere historisch wichtige Bauten auf der gegenüberliegenden Straßenseite stilistisch zusammengehalten.
1902 war ein wichtiges Jahr für das „Jacob“: Max Liebermann kommt auf Einladung von Alfred Lichtwark, dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, an die Elbe und wird aufgefordert, sich an der Aktion „Bilder aus Hamburg“ zu beteiligen. Der Impressionist malt daraufhin die damals schon berühmte Lindenterrasse des Louis C. Jacob und wohnt während seiner sommerlichen Einquartierung in einem der Hotelzimmer zur Elbe. Dem Künstler ist das heutige Liebermannzimmer im ältesten Teil des Hauses gewidmet. (LCJ 05/2009)
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