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Entwicklung eines Nienstedtener Wohnquartiers Das Gebiet zwischen Jürgensallee und Nienstedtener Straße (früher Osdorfer Straße), Langenhegen und Georg-Bonne-Straße (früher Mittelstraße) wandelte sich vom Acker- und Wiesenland über Gärtnerei- und Baumschulnutzung, dann Kleingärten und Privatparks bis zu einem gehobenen Wohngebiet mit Mischnutzung. In seiner Nordhälfte ist das Quartier durchflossen vom Nienstedtener Vorfluter (heute verrohrt), der Kleinen Flottbek – verschiedentlich auch Quellentaler Bach genannt. Hier befanden sich Wiesen der Nienstedtener Bauern; im 19. Jahrhundert etablierten sich Baumschulen.
Die Flurnamen sagen etwas über die Flurbeschaffenheit aus: Langhege, Brückwisch, Lüttwisch, Nienstedtener Wisch, Ohlwisch, Heidkamp, Nittelkamp, Lehmkamp, Neukamp, Grotneukamp und Kamp beim Haus. Wisch bedeutet Wiese oder Weide, Kamp war das Feld. Vor der Verkoppelung weidete das Vieh unter Aufsicht eines Hirten frei in der Feldmark (Allmende). Die Getreidefelder waren umhegt von Dornenhecken, damit das Vieh dort nicht eindringen konnte. Die eingehegten Ackerflächen waren in schmale Streifen (Gewanne) geteilt, auf denen aber immer nur jeweils die gleiche Feldfrucht angebaut werden konnte. Die Karte des Zustandes vor der Verkoppelung Nienstedtens ist verloren gegangen. Im Jahre 1867 wurde Schleswig-Holstein eine preußische Provinz. Die neue Regierung führte ein Kataster ein, und für die neue Grundsteuererhebung erfolgte eine Neuvermessung der Gemarkung. Der Plan von 1880 zeigt wenig Änderung gegenüber der Verkoppelungskarte. Weit außerhalb des Dorfes – oben auf Die Jürgensallee hatte F. J. Chr. Jürgens auf seinem Baumschulengelände angelegt. Besitzerwechsel und Zusammenlegung von Parzellen waren keine bedeutende Strukturänderung. Viel Land wurde nun von Baumschulen und Gärtnereien genutzt. Die Grundsteuer-Mutterrolle nennt nun als Eigentümer: Schule Nienstedten, Johs. Roosen, F. J. Chr. Jürgens, Johs. von Ehren, J. H. Schmidt, Wilh. Timm. Wenn auch in diesem Plangebiet an der Südseite der Mittelstraße sich die Bebauung zur historischen Nienstedtener Dorfstraße verdichtete, so entwickelte sich der Weg nach Groß Flottbek als Weg zur Bahnstation zu einem periphären Geschäftsviertel (Bahnhofstraße, heute Kanzleistraße). Preußen hatte für die Landgemeinden eine (großzügig-liberale) Bauordnung erlassen, verlangte aber von den Gemeinden amtliche Pläne mit Eintragung der Baufluchtlinien (Baugrenzen) sowie projektierter Erschließungsstraßen. So entstand der „Amtliche Übersichtsplan der Elbgemeinde Nienstedten“ von 1913, aufgestellt vom Vermessungsingenieur Vincentini. Die selbständige Landgemeinde Nienstedten im Landkreis Pinneberg war verkehrsmäßig gut an Altona und Hamburg angeschlossen und damit Ziel von wohlhabenden Städtern, sich hier anzusiedeln. Villen mit prächtigen Gärten und Parks entstanden (z.B. von Hermann Renner mit Villa am später angelegten Söbendieken und „Palomas“ der Vorwerks an der heutigen Thunstraße).
40 Jahre nach dem Vincentini-Plan ist nur noch im mittleren östlichen Bereich unbebautes Gelände. Nach dem ersten Weltkrieg bestand Wohnungsnot. Die Gemeinde Nienstedten erschloss die Hermann-Renner-Straße mit Querverbindungen zur Nienstedtener Straße. Der Bauverein der Elbgemeinden (BVE) baute Einzel- und Doppelhäuser, auch einige Privatbauten entstanden. Die Kreuzung mit der Rupertistraße wurde betont durch zweigeschossige Häuser mit Walmdach. Im südwestlichen Bereich hatte Glasermeister Rudolf Schmidt einen Laden für Paper und Bilder. Auch ein Lebensmittelgeschäft (Paul Hartan) befand sich in der Rupertistraße. Die Häuser wurden größtenteils in den Jahren 1926/27 gebaut.
Schauen wir heute in unseren Stadtplan, wurde mittlerweile die Thunstraße zur Jürgensallee durchgeführt, an welche auch die Rupertistraße nach Osten verlängert mit einem Fußweg anschließt. Hier entstand eine zweigeschossige Wohnanlage für Bundesbedienstete. An der Georg-Bonne-Straße wich der Kohlenhof Vidal einem Wohnblock mit Lebensmittelmarkt, und an der Ecke Hermann-Renner-Straße entstand ein Wohn- und Geschäftsblock, welcher u.a. die Volksbankfiliale beherbergt. Eine Ecke weiter befindet sich die HASPA-Filiale statt des alten Bauernhauses Timm. Erwähnt werden soll noch, dass der Vorgänger des ehemaligen Postamtes an der Nienstedtener Straße im rückwärtigen Anbau des Hauses Hermann-Renner-Straße 2 c zu finden war. (Der Heimatbote 03/2005/HC)
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